Verleihung des Hessischen Friedenspreises 2009

Am 21. Januar 2010 nahm die kenianische Friedensaktivistin Dekha Ibrahim Abdi den Hessischen Friedenspreis im Landtag entgegen.

Fernsehbeitrag der Hessenschau vom 21. Januar 2010 zum Festakt

Dr. Monika Lüke, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International, hielt die Laudatio auf die Preisträgerin.

Dekha Ibrahim Abdi habe sich in der Friedensarbeit und Konfliktlösung in zahlreichen gespaltenen Ländern der Welt vorbildlich engagiert, hob Landtagspräsident Norbert Kartmann in seiner Begrüßungsrede hervor. Sie kombiniere „Graswurzel-Aktivismus“ mit sanfter, aber entschlossener Führung und einer spirituellen Motivation, die sich aus den Lehren des Islam speise. „Sie liest den Koran als Friedenslehre“, so Kartmann. Abdis Motto sei ein Beleg für ihren praktischen Ansatz in der gewaltfreien Konfliktlösung. „Bei Friedensarbeit geht es nicht um die Mathematik der Zahlen und Prozente von Mehrheiten und Minderheiten. Es geht um Pluralität, Verschiedenheit, Teilhabe und „Ownership“ von allen am Konflikt Beteiligten. Frau Abdis hohes Engagement für den Frieden in der Welt gilt es von allen Seiten zu unterstützen und zu würdigen“, betonte der Landtagspräsident.

Der Hessische Ministerpräsident Roland Koch gratulierte Dekha Ibrahim Abdi im Namen der Hessischen Landesregierung und dankte ihr für ihr Durchhaltevermögen, mit dem sie sich seit Schulzeiten für Frieden und Freiheit engagiere. „Diese Werte – Frieden und Freiheit – sind das Ziel von Politik und Religion, wenn sie den Menschen dienen sollen. Dekha Ibrahim Abdi hat diese Werte nicht nur verinnerlicht, sie sind für sie Mission. Dafür setzt sie sich ein und ist damit lebender Beweis für den friedfertigen und zutiefst menschlichen Weg des Islam. In diesem Sinne danke ich Ihnen, verehrte Dekha Ibrahim Abdi, für Ihr beeindruckendes Vorbild“, sagte Koch.

Dekha Ibrahim Abdi, 1964 im Distrikt Wajir in Kenia geboren, wuchs in einem multireligiösen und multiethnischen Milieu auf. Obwohl sie selbst Muslimin ist, waren ihre Freunde in der Kindheit Christen aus einer anderen ethnischen Gruppe. Schon in der Oberschule vermittelte sie zwischen den unterschiedlichen ethnisch-religiösen Lagern in ihrer Schule und bildete eine wachsende Gruppe von Vermittlern, um gewaltsamen Auseinandersetzungen vorzubeugen. Diese Erfahrungen prägten ihre Praxis der interreligiösen Zusammenarbeit, welche sie für die unersetzliche Grundlage dauerhaften Friedens hält.

Frau Abdis Methoden der interkommunalen Friedensarbeit werden heute auf vier Kontinenten angewandt. Fest in der Zivilgesellschaft ihrer Heimat verwurzelt, wirkt sie weit über die Grenzen ihres Landes hinaus. Dies kommt auch in ihrer Mitgliedschaft in zahlreichen internationalen Nichtregierungsorganisationen und ihrer Tätigkeit für die Vereinten Nationen zum Ausdruck. Ihre Tätigkeit dient so dem Gemeinwohl der Menschheit. Heute lebt Frau Abdi in Mombasa (Kenia), wo sie das Oasis Peace Centre gegründet hat, das lokalen Gemeinden in der Provinz Kikambala mit Meditationsarbeit hilft. Außerdem berät sie die kenianische Regierung in Konfliktprävention und Konfliktmanagement.

Mit Dekha Ibrahim Abdi wird zum ersten Mal eine Afrikanerin aus dem subsaharischen Afrika, eine Grassroot-Aktivistin und zum zweiten Mal ein Mensch islamischen Glaubens mit dem Hessischen Friedenspreis der Albert-Oswald-Stiftung ausgezeichnet. Der Hessische Friedenspreis wurde 1993 von Albert Osswald und der von ihm begründeten Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 25.000 Euro dotiert.

Das Foto zeigt von links nach rechts: Ministerpräsident Roland Koch, Vorsitzender des Kuratoriums der Albert-Osswald-Stiftung Karl Starzacher, Preisträgerin Dekha Ibrahim Abdi, Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International Dr. Monika Lüke und Landtagspräsident Norbert Kartmann.

Zugeordnete Medien:

Grusswort Landtagspräsident Norbert Kartmann (PDF-Datei)
Laudatio Dr. Monika Lüke (PDF-Datei)
Dankadresse Dekha Ibrahim Abdi (PDF-Datei)